Die Schwedenföhren

Von Dr. Franz Lautner

Am SW-Rand von Möhrendorf steht eine Gruppe alter knorkiger Föhren. Im Volksmund heißen sie allgemein "die Schwedenföhren", was ja eigentlich nichts besonderes bedeudet, weil hierzulande das Volk alle älteren Dinge mit den Schweden und dem Schwedenkrieg, d. h. dem 30jährigen Krieg in Beziehung bringt.

 

Nun mußte im Frühjahr 1951 einer dieser Bäume entfernt werden, weil er abgestorben war. Da bot sich die Gelegenheit einige Untersuchungen anzustellen, Zu einem Teil war der Baum hohl, wenn auch der größte Teil noch recht gutes Holz enthielt. Aber es war doch möglich, unmittelbar über den Wurzeln einen Querschnitt herzustellen, an dem man die Jahresringe bis in den Kern verfolgen und zählen konnte, es waren genau 300! Es ist nun durchaus möglich, daß ein paar Ringe nicht getroffen wurden , da sie zwischen den später dicker gewachsenen Wurzeln lagen, so daß man auf die Zeit von 1648 als Keimjahr des Baumes kommen kann.

Weiter ist bemerkenswer, daß keine Pfahlwurzel vorhanden war obgleich der tiefgrundig-sandige Boden das durchaus zugelassen hätte. Es liegt deshalb die Vermutung nahe, daß die Bäume gepflanzt wurden und nicht an Ort und Stelle aus Samen entstanden sind.

Daher ist es denkbar, daß die Bäum zum Andenken an ein Kriegsereignis oder an den Friedensschluß gepflanzt worden sind und im Volksmund den besonderen Namen bekommen haben.

Von Burkhard Brause

Wenn man sich dann im Jubiläumsjahr wieder mit der Geschichte des Ortes auseinandersetzen wird, wird auch das Thema 30jähriger Krieg (1618 - 1648) eine Rolle darin spielen. Dieser brachte dem Dorf damals viel Leid.
So soll es nach Volksüberlieferung die Schweden bis in diese Region verschlagen haben und nach diesen erhielt dann eine Baumgruppe ihren Namen: die "Schweden-Föhren".
Und so gibt es drei Theorien um die Herkunft der Föhren:
Die erste besagt, dass die Bäume als Andenken an ein Kriegsereignis oder an den Friedensschluß gepflanzt wurden. Die Untersuchung eines abgestorbenen Baumes im Jahre 1951 ergab durch die Zählung der Jahresringe ein Keimjahr um 1648. Ein weiteres Indiz war, das die Föhre keine Pfahlwurzel hatte die sie zur Wasserversorgung auf dem sandigen Boden ausbilden hätte müssen.
Die zweite Theorie lautet, dass die Bäume damals schon existierten und die Schweden ihre Pferde daran festbanden, so der Vorsitzende des Vereins für Denkmal, Steffen Schmidt. Und er verweist in diesem Zusammenhang - und dies ist die dritte und relativ neue Theorie, dass der Platz als Gerichtsstätte der Schweden diente, da das gegenüberliegende Gebiet als Galgenäcker bezeichnet wird. Schaut man sich die Föhren genauer an, könnte man meinen, dass sich die waagerecht zur Seite wachsenden starken Äste für eine HInrichtung geradezu "anboten".
In den letzten Jahren ist der Bestand der Bäume deutlich gesunken. Auf einer Ansichtskarte aus dem Jahre 1920 ist noch von fünf Föhren die Rede, heute stehen nur noch zwei der alten Schwedenföhren. Im Jahre 1985 wurde in Möhrendorf der Versuch unternommen, Bäume der gleichen Sorte nachzupflanzen. Von den ursprünglich mit großem finanziellen Aufwand nachgepflanzten Föhren, des Typs "Pinus Norwegen Silvestris" stehen heute noch drei.
Bereits im Jahr der Neuanpflanzung gab es Gutachten, ob die gekauften Hölzer der Sorte der "alteingesessenen" Bäume entsprechen. Und auch 2005 wurde diesbezüglich erneut untersucht, da die neuen Bäume sich in Ihrem Aussehen doch beträchtlich von den anderen unterscheiden. Aber es sind dieselben.