Die St. Oswald / St. Martin Kirche von Möhrendorf

Die Vorgängerkirche

Die Frühgeschichte der Kirche liegt im historischen Dunkel und kann durch Daten nich belegt werden. Nach Gebesseler stammt der heutige Turm aus der ersten Hälfte des 15. Jh. und das Langhaus aus späterer Zeit, dem 16./17. Jh.

Im Zuge der Renovierung von 1978 - 1980 wurden im Chorraum Grabungen durchgeführt. Die gefundenen Fundamentreste im Bereich des heutigen Chorraumes stammen von einer Vorgängerkirche. Auf Grund des Oswald Patroziniums könnte diese Kirche auf das 11./12. Jh. zurückgehen.

Chorturmkirche und Langhaus

Die Ufer der Regnitz dienten von alters her den Menschen als Wander- und Reiseweg. Möhrendorf lag an diesem Handelsweg des Mittelalters, von Forchheim nach Nürnberg, dem Johannesweg. Die exponierte Lage verlangte Schutzmaßnahmen. Die ursprüngliche Kirche wurde als Schutzbau errichtet. Kostbare Reliquien und wertvolle liturgische Geräte mussten geschützt werden. Die Erweiterung der Kirche zur Wehrkirche mit Wehrmauer erfolgte erst nach dem 1. Markgrafenkrieg.

Der quadratische Chorturm hatte aus Verteidigungsgründen die gleiche Breite wie das Kirchenschiff und vermutlich bereits ein oder mehrere Geschosse. Im Untergeschoss, dem Chorraum, war sicherlich eine gemauerte Gewölbedecke, die die oberern Stockwerke gegen "Ausräuchern" schützte. Der Zugang zu den oberen Stockwerken erfolgte außerhalb des Chorbereiches. Dieser Zugang war durch eine Ummauerung zu schützen, was durch einen schmalen Baukörper von ca. 1 Meter auf der Westseite erfolgte. Noch heute ist dies durch die vertikale "Trennfuge" zwischen dem Chorturm und dem Langhaus zu erkennen. Aus der Abrechnung eines Glockenstranges von 12 Klafter im Jahre 1661 ist zu schließen, dass der Glockenstuhl und der Kirchturm in etwa schon die heutige Höhe hatten, allerdings ohne Laterne und Haube.

Der Chorbereich besaß bereits Ende des 15. Jh, die gotischen Fenster sowie einen gotischen Flügelaltar, mit Darstellungen des Kirchenpatrons St. Oswald, sowie der Kirchenheiligen St. Sebastian, Anselm von Canterbury und Maria Magdalena. Das zentrale Altarbild zeigte vermutlich die Kreuzigungsszene zusammen mit Maria und dem Jünger Johannes. Die wieder freigelegten Fresken im Chorbereich existieren bereits und darüber hinaus gab es auch im Kirchenschiff Wandbemalungen, deren Reste heute übertüncht und zur Zeit nicht weiter erforscht sind.

Das Langhaus wird bereits vor der Errichtung der Wehrmauer, als Erweiterung der Turmkirche um 1400 entstanden sein. Der Chorturm im Osten des Langhauses war typisch für Dorfkirchen, die der Verteidigung dienten. Damit auch das Kirchenschiff militärisch gedeckt war, wurden in Möhrendorf und in vielen anderen Orten das Kirchenschiff und der Chorturm in gleicher Breite gebaut.

Die oberen Stockwerke des Turmes waren nach Anbau des Langhauses nur über eine Schlupftüre, die heute noch vorhanden ist, vom Dachboden des Kirchenschiffes aus oder über Leitern zugänglich. Diese Schlupftüre konnte leicht verteidigt werden, Wie bei einer Burganlage ein Bergfried, diente der Chorturm beim befestigten Kirchhof als letzte Zuflucht für Dorfbewohner und Verteidiger. In unsicheren Zeiten war der Chorturm mit einem Posten besetzt. Bei Gefahr konnten sofort die Kirchenglocken geläutet werden.

Die unterern Geschosse des Chorturmes mit dem Tellerschlussstein, dem Kreuzrippengewölbe und den gekehlten Rippen mit abgeschrägten Enden sowie den gotischen Fenstern stammen mit Sicherheit aus der Umbauphase zur Zeit der Familie Schürstab - Immhoff (1485 - 1495). Die gotischen Fenster wurden in ein vorhandenes Mauerwerk eingesetzt.

Der Tellerschlussstein trägt das Allianzwappen der Familie Schürstab - Immhoff. Daraus folgt, dass die damaligen Baumaßnahmen Umbau- und Verschönerungsarbeiten waren und von der Familie Schürstab - Imhoff veranlasst und bezahlt wurden.

Nach dem ersten Markgrafenkrieg, in dem Nürnberger Kriegsvolk Anfang 1450 auch Möhrendorf plünderte wurde mit dem Bau der Wehrmauer begonnen. Die Fertigstellung muß nach 1504 erfolgt sein, da die Mauer nicht im "Spionagebericht" über das Nürnberger Umland erwähnt wurde.

Entgegen anderen Veröffentlichungen kann bei der Zerstörung Möhrendorfs im Dreißigjährigen Krieg die Kirche keine erheblichen Schäden erlitten haben. Die ab 1643/44 vorhandenen Gotteshausrechnungen weisen nur Ausgaben für Reparaturen und Umbauten aus. Die Aussage des "Wiederaufbaues 1672" in der Literatur muss daher angezweifelt werden. Das Kirchenschiff war um das Jahr 1643 ihne Emporen, Sakristei, Orgel und Bankreihen. Der Boden bestand aus gestampfter Erde.

Das kleine gotische Fenster in der Südfassade deutet an, dass nur kleine verteidigungsfähige Öffnungen vorhanden waren, die Nordseite war vermutlich fensterlos. Bescheidenes Licht fiel nur durch die wenigen kleinen Fenster ein. Die beiden großen Fenster, Dacherker und Türe mit Treppenaufgang stammten aus einer späterern Zeit.

Während der Renovierungsarbeiten in den Jahren 1978 - 1982 an und in der St. Oswald / St. Martin Kirche wurden Grabungen im gesamten Kirchenraum durchgeführt. Dabei stieß man auf Gräber und Mauerreste. Vermutlich sind dies Fundamente und Mauerreste einer Vorgängerkirche. Die Grablegungen waren im Gesamten Fußboden der Pfarrkirche verteilt. Aus der Skizze ist die 1981 neu geschaffene Gruft unter dem Chorraum ersichtlich. Die gefundenen Skelettreste wurden umgebettet. Die beiden sehr gut erhaltenen weiblichen Skelette, die in der Südwestecke der Kirche und vollständig in ihrer Lage gefunden wurden, sind in der Gruft beigesetzt. Der Zugang zur Gruft beginnt hinter dem Altar an der Nord/Ost-Ecke des Chorraumes und endet in der Süd/West-Ecke des Chorraumes an einer Treppe. Von hier aus kann in die Gruft eingesehen werden.
Grablegen fand man in einer Tiefe von 1,3 bis 2,3 Metern im gesammten Fußboden der Pfarrkirche verteilt. Die Untersuchungen der Skelett- und Textilreste in den gut erhaltenen Gräbern durch Illona Götz belegen Beisetzungen von 10 Kindern, 25 Erwachsenen und 5 Greisen. Sie stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert.
Weitere tiefer liegende, stark verwitterte Skelettreste gehen vermutlich auf gestörte Grablegen früherer Jahrhunderte zurück. Eine gemauerte Gruft war nicht vorhanden.
Johannes E. Bischoff glaubt, Bestattungen von Mitgliedern der Familien Schürstab von Oberndorf bis 1449, nachweisen zu können. Vierzehn Bestattungen konnten durch Vergleich mit den seit 1606 vorhandenen Kirchenbüchern dem Ortsadel von Oberndorf, Geistlichen und einem nichtadligen Gutsbesitzer aus Möhrendorf zugeordnet werden.
Im Chorraum der Möhrendorfer St. Oswald / St. Martin Kirche ist im Fußboden ein Gedenkstein an die Oberndorfer Herren eingelassen.
Die historischen und genealogischen Untersuchungen wurden von Stadtarchivar i. R. Johannes E. Bischoff und Dr. Illona Götz vom Landesamt für Denkmalpflege durchgeführt.