Typisches Wohnstallhaus in der Hauptstraße 6, (Austragshäuschen)

Das Hauptwohnhaus des Anwesens liegt unmittelbar an der Straße und war ehemals ein Wohnstallhaus (Nr. 6). Im hinteren Teil befindet sich ein kleines, ebenfalls in Wohn- und Stallbereich getrenntes Gebäude. Die Größe und die Tatsache, dass sich das Häuschen nicht auf einem eigenen Grundstück befand, sprechen für eine Nutzung als Austragshaus (Austrägler = Alte Leute, die den Hof bereits an die nächste Generation weitergegeben haben).

Im Grundsteuerkataster von 1835 findet man dieses Anwesen wie folgt beschrieben:
Gutsrest des im Jahre 1816 zertrümmerten Wehner´schen Hofes, der Hagenshof genannt

Gebäude:
eingädiges Wohnhaus HsNo 12 Scheune, Backofen, Pumpbrunnen und Hofraum
eingädiges Wohnhaus HsNo 11 mit angebautem Schweinstalle

Der an das Austragshaus angebaute Schweinestall ist heute nicht mehr vorhanden. Das Gebäude wurde aus Sandsteinquadern errichtet, ist weiß gestrichen und hat ein Satteldach. Die Außenwand im Bereich des Eingangs und der kleinen Kammer besteht aus Fachwerk. Erschlossen wurden sowohl der Wohn-, wie auch der Stallbereich auf der Traufseite durch separate Türen.

Der Grundriss ist im Bereich von Stube und Küche nicht mehr vollständig erhalten und hier rekonstruiert. Vermutlich waren Kabinett und Stube durch eine Tür verbunden

Das Kabinett (Kabinettla, Kaffaned, Stübla, Bos):

Für Franken ist dieser Raum charakteristisch. Das Kabinett war oft von der Stube nur durch eine leichte Holzwand abgetrennt. Um die Wärme des Ofens hineinzulassen ging die Trennwand nicht bis zur Decke oder hatte durchbrochene Zierleisten im oberen Bereich. Wenn man einen warmen Platz brauchte, aber eine optische Trennung zur Stube wollte, wurde das Kabinett genutzt. Beispielsweise machte hier der Bauer seinen Mittagsschlaf; es war der Schlafraum für die Austrägler oder zum Aufenthalt der Wöchnerinnen.