Weiler Oberndorf mit historischem Backhäuschen

Der Weiler Oberndorf in seiner heutigen Form ist aus der 1855 erfolgten Zerschlagung eines Rittergutes entstanden: als Reichslehen erscheint sein Name schon 1279. Die Rittergutsgebäude, vor allem des 1796 an der Stelle eines 1552 im zweiten Markgrafenkrieg niedergebrannten Sitzes errichtete Herrenhaus nehmen noch immer die beherrschende Stellung ein: hinzugetreten sind die Gebäude der jüngeren Kleinbauernstellen, die sich allerdings den herrschaftlichen Wirtschaftsgebäuden adaptieren. Erhalten hat sich die isolierte Lage des Weilers.

Haus Nr. 1 Der ehemalige Herrensitz mit Wirtschaftsgebäuden wurde aus Sandsteinquadern erbaut.
Haus Nr. 2 Bei diesem Gebäude handelt es sich um einen Sandsteinquaderbau aus dem 19. Jh.
Haus Nr. 3 Das Kleinbauernhaus wurde im 19. Jh. aus Sandsteinquadern errichtet.
Haus Nr. 4 Auch dieses Kleinbauernhaus stammt aus dem 19. Jh.
Haus Nr. 5 Hierbei handelt es sich um das ehemalige Verwalterhaus aus dem 18./19. Jh. mit Backhäuschen.

Dieser stattliche Backofen befindet sich inmitten der Ortschaft oberhalb der Talaue zur Regnitz. An seiner Rückseite befinden sich Stützpfeiler. Auch ist der aus regelmäßigem Quadermauerwerk hergestellte Ofen mit einer Sandsteinmauer verbunden.

Der Weiler Oberndorf war früher ein Rittergut und befand sich bis 1347 im Besitz der Reichsherren von Schlüsselberg.
Spätere Besitzer waren die Herren von Seckendorf. Diese verkauften 1375 das Rittersgut an die Nürnberger von Schürstab. In deren Besitz blieb es bis 1605. Die Schürstab 1391/92 bauten einen Herrensitz auf dem Gelände des heutigen Gasthofes Reck. 1392 wurden Heinrich Schürstab und der Goldschmied, Heinrich Lengenfelder, enthauptet, weil sie auf dem Markgräflichen Schlag zu Oberndorf Falschmünzerei betrieben haben. Unter der Herrschaft der Schürstabs wurde 1528 die Reformation in Möhrendorf eingeführt. Das Wasserschloß (Teil des Herrensitzes) wurde 1552 zerstört und nicht wieder aufgebaut.
Ungefähr 50 Jahre später wird das Besitztum für 1200 Gulden an die Tucher von und zu Simmelsdorf verkauft. In deren Besitz blieb es bis 1661. Die Tucher errichteten neben der Ruine des alten Herrensitzes ein dreigädiges Herrenhaus (heutiges Wohnhaus Rudolph). Die Familie Tucher hat 1643 für die Kirche in Möhrendorf die sogenannte "Tucherglocke" gestiftet. Glockengießer war Johann Kopp aus Forchheim.
Die Tucher veräußerten 1661 den Besitz an einen schwedischen Oberst, der den Namen Ernst von Streitberg annahm. Unter seiner Herrschaft fiel 1663 das bis dahin ausgeübte Patronatsrecht über die Möhrendorfer Kirche an die kirchlichen Stellen in Bayreuth zurück. 1673 übernahmen die Haller von Raitenbuch den Besitz und ab 1790 war Freifrau Sophie von Egloffstein Herrin über Oberndorf. Sie veranlaßte die Beseitigung der Schloßruine von 1552 und vergrößerte 1796 den von den Tuchern erstellten dreigädigen Herrensitz (heutiges Wohnhaus).
1819 wurden die Oberndorfer Besitzungen von Familie von Lips ersteigert. Die kurz danach (1821) durchgeführte 1. Bayerische Landvermessund hält fest, daß das Gut 285 ha, einen Schafhof mit 1000 Schafen sowie 3 Söldengüter in Möhrendorf umfaßte.
1855 erfolgte die Zerstückelung des adeligen Gutes, das in bäuerlichen Besitz überging. Das Gehöft Haus Nr. 1 ging an die Familie von Paschwitz. Von der Forstmeisterswitwe von Paschwitz kaufte am 7. März 1865 Johann Rudolph (geb. 21.07.1832 in Möhrendorf), aus Möhrendorf Nr. 34 den heutigen Bauernhof.
Nach dem Grundsteuer-Kataster der Gemeinde Möhrendorf bestand das Anwesen Oberndorf 1 im Jahre 1869 aus

  • einem Schloßgebäude mit Stadel
  • einem Brunnenhaus und Hofraum
  • einem Würzgarten im Hof
  • einem Backofen (gemeinschaftlich mit Haus 2, 3, 4, 5, 5½ in Oberndorf)
  • einem Gemüsegarten
  • dem Schloßgarten mit Winterung und Pumpbrunnen
  • dem Baumfeld, dem unteren Schloßgartenfeld (Acker)
  • dem Baumfeld und Baumschule, dem oberen Schloßgartenfeld (Acker)
  • den Bergwiesen

insgesamt einem Besitz von: 14 Tagwerk und 57 Dezimalen.